Ein glücklicherweise gesundes Baby. In Frankreich stehen nun Pestizide in Verdacht Fehlbildungen bei Neugeborenen zu verursachen.

Verursachen Pestizide wie Glyphosat Fehlbildungen bereits im Mutterleib?

In Frankreich häufen sich statistisch gesehen Geburtsfehler in bestimmten Regionen. Die Neugeborenen haben Fehlbildungen wie beispielsweise fehlende Hände, Arme oder Beine. Nun steht der Einsatz von Pestiziden in Verdacht diese zu verursachen. 

In den drei Departements Ain, Loire-Atlantique und Morbihan sind laut ZEIT ONLINE in den letzten 15 Jahren 25 Kinder zur Welt gekommen, denen entweder eine Hand, einen Unterarm oder einen Arm fehlte. Würden die jeweiligen Familien nicht nah beieinander wohnen, so würden diese keine statistische Auffälligkeit aufweisen. Dem ist allerdings nicht so. Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn stellt den Verdacht auf, dass der Einsatz von Pestiziden in den Regionen der Grund für die Fehlbildungen sein könnte.

Le Monde berichtet über regionale Häufungen

Die französische Zeitung Le Monde berichtete im Oktober 2018 über den bereits achten identifizierten Fall in einem Umkreis von 17 Kilometern um das westfranzösische Dorf Druillat, Ain. Die Kinder wiesen ebenfalls die Fehlbildungen auf und kamen zwischen den Jahren 2009 und 2014 zur Welt. Im gesamten Departement Ain stieg die Zahl der identifizierten Fälle derweil auf 18.

Medikamente oder Alkohol als Ursachen ausgeschlossen

Nur 40 Prozent der gesamten größeren Fehlbildungen können Forscher in etwa durch genetische oder virale Ursachen erklären. Jeweils wurden diese allerdings bei den Fällen in Frankreich bereits ausgeschlossen. Auch Wirkungen von Medikamenten oder Alkohol konnten die Forscher jeweils in den untersuchten Fällen in Frankreich ausschließen.

Betroffene Familien lebten und leben nahe Feldern

Auffällig bei den notierten Fällen sei zudem, dass viele Mütter, beziehungsweise die Familien der betroffenen Kinder in der Nähe von Feldern wohnen. Auf diesen Feldern werden zumeist Raps und Sonnenblumen angebaut. Dies fiel allerdings nicht den Behörden auf, sondern vielmehr lernten sich die Familien der Kinder kennen und vernetzten sich. Die Tatsache, dass sie in Dörfern mit nur wenigen Tausend Einwohnern lebten vereinfachte dies.

Fehlende Erfassung

Kommt in Frankreich ein Kind mit einer Fehlbildung in Form eines nicht vorhandenen Körperteils zur Welt, so wird dies nicht ausreichend und zuverlässig statistisch erfasst. Aufgrund dessen erschwert sich der Versuch die Fälle angemessen statistisch einzuordnen. Auch in Deutschland werden diese Fälle nicht landesweit erfasst. Dies ist insbesondere aufgrund der in der Vergangenheit aufgetretenen Contergan-Fälle zumindest verwunderlich. In den Jahren 1958 bis 1962 sind über den Globus hinweg über 10.000 Kinder mit Fehlbildungen auf die Welt gekommen. Grund hier war die über die Nebenwirkungen unwissende Einnahme des Schlafmittels der Mütter während der Schwangerschaften.

Und so erscheint es erstaunlich, dass in Frankreich sechs Registerstellen circa 19 Prozent des Landes abdecken. Laut Recherche ZEIT ONLINEs ist dies allerdings mehr als in Deutschland. Nur Sachsen-Anhalt soll offenbar über eine eigene Meldestelle verfügen, sprich zwei Prozent der Neugeborenen.

Keine Zuständigkeit deutscher Behörden

Die Journalisten von ZEIT ONLINE fragten bei verschiedenen Behörden an, ob diese für die Erfassung zuständig seien. So verwies das Berliner Gesundheitsministerium auf Bundesumweltministerium. Das allerdings sähe die Zuständigkeit bei dem Bundesinstitut für Risikobewertung. Das Bundesinstitut wollte sich jedoch nicht an der öffentlichen Diskussion nicht beteiligen, solange die nötigen Hintergrundinformationen nicht vorliegen würden.

Pestizide auch in Argentinien unter Verdacht

Darüber hinaus berichtet unter anderem die BBC 2014 über mögliche Gesundheitsschädigungen auf Grund von Pestizideinsätzen in Argentinien. Gegenstand der Untersuchung war auch hier, ob der Nutzen oder etwaiger übermäßige Nutzen der Pestizide die Risiken von Krebserkrankungen oder Geburtenfehlern erhöht. Das meist eingesetzte Pestizid des Landes ist Glyphosat. Es ist gleichzeitig das weltweit (ökonomisch) erfolgreichste Pflanzenschutzmittel und wird auch in Deutschland genutzt.

Derweil ficht der US-Amerikaner Dewayne Johnson einen gerichtlichen Kampf mit dem Hersteller des Pestizids Monsato aus. Er arbeitete über mehrere Jahre mit Roundup dem Glyphosat-Pestizid und erkrankte an Krebs. Johnson argumentierte mit Untersuchungen, dass das Pestizid die Ursache für seine Krebserkrankung war. Das Gericht gab Johnson recht und verhängte ein Schmerzensgeld von 289 Millionen $. Monsanto kündigte an gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

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