Wassertropfen und Wellen

Leitungswasser vs. Mineralwasser

Vorab sei gesagt, dass es in Deutschland um die 6000 Trinkwasserversorger gibt. Aufgrund dessen kann es sehr wohl zu örtlichen Unterschieden kommen – auch innerhalb der selben Stadt. Von dem Leitungswasser kann daher im Grunde nicht korrekt gesprochen werden. Die durchaus strengen, gesetzlichen Richtlinien und Grenzwerte gelten jedoch für jeden Wasserbetrieb.

Ebenso wenig könnte man von dem Wasser aus der Flasche sprechen. So soll es laut der “Informationszentrale Deutsches Mineralwasser” allein für Mineralwasser soll es über 500 Marken in Deutschland geben. Dabei darf Wasser mit der Bezeichnung Mineralwasser nur vertrieben werden, wenn es amtlich anerkannt worden ist (Min/TafelWV). In der Regel wird dem Mineralwasser nachgesagt es trage zu einer gesünderen Ernährung bei. Deshalb schauen wir es uns als Primus der Flaschenwasser als Vertreter genauer an.

  1. Der Preis – Vorteil Leitungswasser
  2. Mineralwasser aus der Flasche sei gesünder
  3. Transportweg vs. Aufbereitung
  4. Fazit

1. Der Preis – Vorteil Leitungswasser

Bezieht man sich lediglich auf den Preis, so liegt der Vorteil klar beim Leitungswasser – ohne auch nur den Weg zum Supermarkt mit einzubeziehen. So lag der durchschnittliche Preis für einen Kubikliter in Deutschland bei 1,69 € (Statista). Selbst bei einem Preis von 0,40 € für eine 1,5-l-Flasche fällt der Vergleich nicht schwer.

2. Mineralwasser aus der Flasche sei gesünder

Der Gedanke, dass das Grundwasser durch eine Überdüngung der landwirtschaftlichen Flächen mit Nitrat belastet sei, Hormonrückstände durch die Antibabypille oder andere medizinische Stoffe würden vorzufinden sein, schreckt teilweise Verbraucher davon ab, das Wasser aus der Leitung zu beziehen.

Ist diese Sorge jedoch berechtigt? Schauen wir uns einmal die rechtliche Grundlagen für Leitungswasser, also die eingangs angesprochenen Anforderungen an:

TrinkwV 2001, § 4 Allgemeine Anforderungen

(1) Trinkwasser muss so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein. Diese Anforderung gilt als erfüllt, wenn bei der Wasseraufbereitung und der Wasserverteilung mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden und das Trinkwasser den Anforderungen der §§ 5 bis 7a entspricht.

Die Paragraphen 5 bis 7a beschreiben:

  • § 5 mikrobiologische Anforderungen
  • § 6 Chemische Anforderungen
  • § 7 Indikatorparameter
  • und §7a radiologische Anforderungen

Einen explizieten Paragraphen für eigene Anforderungen innerhalb der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung spricht nur die mikrobiologischen Anforderungen an (Min/TafWV § 4). Ist eine Mineralwasserquelle jedoch verunreinigt, mikrobiologisch, chemisch oder durch “sonstige Verunreinigungen”, so muss der Abfüller unverzüglich die Gewinnung stoppen, bis die Ursache behoben ist und das Wasser wieder den mikrobiologischen und chemischen Anforderungen entspricht (Min/TafWV § 5). Die Grenzwerte für die verschiedenen Stoffe beziehen sich auf die natürlichen Vorkommen der Quellen und dürfen nicht hinzugefügt werden (Min/TafWV § 6a). Der Schutz der Natürlichkeit des Wassers verbietet auf der Kehrseite jedoch auch, das Wasser nicht aufzubereiten um Verunreinigungen zu vermeinden.

Vergleich von Grenzwerten

Vergleicht man die Grenzwerte der beiden Wässer, so sind 8 von 16 Parametern identisch. Für Leitungswasser sind zudem noch diverse weitere Grenzwerte festgelgt, wie beispielsweise für Pestizide oder Uran.

 StoffMineralwasserLeitungswasser
1Antimon0.0050.005
2Arsen0,010 (insgesamt)0.01
3Barium1kA
4Blei0.010.01
5Borat30kA
6Chrom0.050.05
7Fluorid51.5
8Kadmium0.003kA
9Kupfer12
10Mangan0.5kA
11Nickel0.020.02
12Nitrat5050
13Nitrit0.10.5
14Quecksilber0.0010.001
15Selen0.010.01
16Zyanid0.07kA

Der jeweilige Leitungswasserversorger ist zu regelmäßgen Kontrollen verpflichtet, bezogen auf Keime teils mehrmals am Tag. Diese Regelung macht es zu dem am stärksten kontrollierten und überprüften Lebensmittel in Deutschland. Die Qualitätsstandarts für das Leitungswasser sind so ausgelegt, dass ein Mensch es ein Lebenlang konsumieren kann ohne gesundheitliche Probleme davon zu tragen.

So. Was heißt das nun abseits der Paragraphen?

Die Stiftungwarentest verglich 2016 die beiden Wasserarten. Bezogen auf die Rückstände der Arzneimittel konnte die Stiftung in einigen Proben zwar Rückstände finden, allerdings waren diese in keiner signifikanten Konzentration, als dass diese dem Konsumenten schaden hätte können.

Ebenso wenig signifikant, jedoch eigentlich vom Konsumenten gewünscht, könnte man die Mineraliengehalte einzelner Wassermarken nennen. Da die EU eine Vorgabe kippte, die besagte, dass Mineralwasser sich erst ab einem Mineralanteil von 1.000 mg/L Mineralwasser nennen dürfen, können auch Unternehmer mineralstoffarmer Quellen unter der lukrativen Flagge das Wasser vertreiben. So hatte die Marke zum Zeitpunkt des Tests einen Gehalt von 57 mg/L. Da konnte selbst das mineralstoffärmste Leitungswasser des Tests mit 78 mg/L mithalten. Generell lag der Mineralstoffgehalt der geprüften Leitungswasser bei 380 mg/L.

Die Wirkung der Mineralstoffe innerhalb eines Wassers sollte man jedoch nicht allzu leicht überschätzen. Sie stellen in der Regel nicht die wesentliche Quelle des Mineralhaushalts von uns Menschen dar. Dieser wird gängigerweise durch die Hauptnahrung gedeckt.

Wer jedoch beispielsweise auf Milchprodukte verzichtet, sei dies aus Überzeugung oder medizinischer Natur, könnte mit einer gezielten Auswahl des Mineralwassers den Kalziumhaushalt des Körpers versorgen. Auch sollten sich Konsumenten in landwirtschaftintensiven Gebieten nach der Beschaffenheit des Wassers informieren, sollten sie dieses für die Zubereitung und Versorgung von Säuglingen nutzen.

Ein weiterer Faktor sind die eigenen Leitungen im Haus. Sie könnten je nach Alter und Art der Rohre Stoffe an das Wasser abgeben und dieses verunreinigen. Wer sich hier unsicher ist, könnte dies testen lassen. Zumeist sind die Werte in einem unbedenklichen Bereich.

Auf der Seite der Mineralwasser ist die Flaschenart ausschlaggebend. So können die Einweg- und Mehrweg-PET-Flaschen bei einer langen Lagerzeit Stoffe an das Wasserabgeben, die dieses verunreinigen. Insbesondere Weichmacher des Plastiks sind hier im Vesir der Forschung.

Niedersachsen besonders gefährdet

Niedersachsen scheint jedoch trotz strenger Kontrollen besonders gefährdet zu sein. Aufgrund der durch der intensiven Landwirtschaft verteilten Gülle und Gärresten ist der Nitratwert an 28 Prozent Grundwassermessstellen. In den Gebieten der landwirtschatlich genutzten Flächen überschreiten fast 38 Prozent die Grenzwerte.

Die Wasserversorger müssen diese Verunreinigung mühsam aufbereten. Dadurch sollte zumindest das Leitungswasser in diesen Gebieten unbedenklich sein. Private Brunnen hingegen pumpen das Grundwasser direkt hoch und bereiten dies in der Regel nicht auf.

Informationen in diese Richtung mitsamt Nitratkarten bietet der VSR-Gewässerschutz auf der offiziellen Homepage.

3. Transportweg vs. Aufbereitung

Leitungswasser scheint hier einen Vorteil zu besitzen. Frischwasser und aufbereitete Abwässer werden vermischt und durch die örtlichen Versorgungsstrukturen an den Verbraucher geliefert. Dabei muss das Wasser nicht erst in kleine Flaschen gefüllt werden, zum Handel geliefert werden um dann vom Verbraucher abgeholt zu werden. Diese Zwischenschritte erzeugen jeweils Emissionen. Diese schwanken zudem erheblich je nach Art der Flasche. Sie werden in der Regel in drei Kategorien eingeteilt: Einweg-PET, Mehrweg-PET und Mehrwegglasflaschen. Im Vergleich einer schweizer Studie aus dem Jahr 2014 (ESU-services) von ungekühlten, stillen Wasser verursacht die Mineralwasservariante im Vergleich zum Leitungswasser eine 450-mal so große Umweltbelastung. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass grundsätzlich die Entferung des Abfüllortes, die Art der Flasche und auf welchem Weg der Heimtransport durchgeführt wird, die Mehrbelastung schwanken lässt, und nicht selten verschlechtert.

4. Fazit

Der Konsum von Leitungswasser ist ökoligisch und ökonomisch sinnvoll. Zwar kann man argumentieren, dass der Emissionsbeitrag des Trinkens von Flaschenmineralwasser gegenüber anderen Verhaltensweisen geringer ist, jedoch trägt hier ein Verzicht zu einer Veringerung des insgesamten Fußabdrucks bei und dies sollte erstrebenswert sein – Schritt für Schritt. Desweiteren sollten wir in gewisser Weise dankbar für die Wasserqualität sein, welche hierzulande herscht, indem wir das Leitungswasser als Trinkwasser nutzen. Kritisieren und/oder den Status Quo verbessern schließt dies ja nicht aus.

Und falls noch jemand unterwegs nach einem Zugang zu Trinkwasser sucht, so könnte www.trinkwasser-unterwegs.de weiterhelfen. Per Homepage oder App (Android und iOS) kann hier unterwegs nach dem nächsten Trinkwasserzugang geschaut werden.

Der Blaue Engel
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

[…] Statt Kisten schleppen beim Einkauf einfach auf das Trinkwasser aus dem Hahn zurückgreifen spart Geld und hat zugleich einen geringeren Fußabdruck. Wasserflaschen aus Glas oder Edelstahl sind dabei gute Alternativen. Anbieter gibt es zahlreich und Informationen zum Leitungswasser gibt es hier. […]

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Wenn aber das “Trinkwasser” mit Chlor oder anderen Desinfektionsmitteln versetzt ist, kann man noch nicht ein Mal vernünftig Tee oder Kaffee genießen. Einfach traurig ist, dass die Land(un)Wirtschaft die Böden überdüngt und die TW-Konsumenten dafür bezahlen müssen.

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