Die Organisation Ecocert (Schreibweise ECOCERT) um das gleichnamige Siegel kennzeichnet in Deutschland vor Allem Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel. Die mit dem Umweltlabel versehenen Produkte sind im Vergleich zu ähnlichen Produkten umweltschonender. Die Anforderungen von Ecocert an die Produkte zielen unter anderem auf die Inhaltsstoffe und auf deren Abbaubarkeit. Dadurch sollen die negativen Effekte auf die Umwelt reduziert werden.

Die Organisation Ecocert

Ecocert wurde 1991 in Frankreich gegründet. Mittlerweile (Stand 2018) ist sie in 26 Ländern vertreten und operiert in über 130 Staaten. Ursprünglich zertifizierte Ecocert Produkte aus ökologischer Landwirtschaft in Frankreich. Inzwischen hat die Organisation weitere Standards entwickelt. Unter anderem für Kosmetikartikel oder Wasch- und Reinigungsmittel. Insbesondere diese werden in Deutschland mit dem gleichnamigen Siegel ausgezeichnet.

Kontrollierte Produktphasen

  • Rohstoffproduktion
  • Herstellung
  • Transport / Handel
  • Nutzungsphase
  • End-of-life

Kosmetikartikel

Das Umweltlabel für die Kosmetikartikel wird von Ecocert vergeben, wenn die Produkte folgende Grundprinzipien erfüllen:

  • Rohstoffe aus ökologischem Anbau, sowie erneuerbare Ressourcen werden bevorzugt
  • Dabei werden auch die natürlichen Produkte auf ihre Umweltauswirkungen bewertet, sprich Abbaubarkeit oder toxische Wirkungen.
  • Die Verarbeitung der Produkte sollte möglichst gering die Umwelt belasten
  • Transparenz gegenüber dem Konsumenten

Des Weiteren unterscheidet Ecocert die natürlichen Inhaltsstoffe nach ihrem Ursprung (pflanzliche, mineralische, marine oder tierische Herkunft). Dabei dürfen Produkte, sollten sie das Siegel tragen, nur tierische Inhaltsstoffe beinhalten, wenn es keine gleichwertige, pflanzliche Alternative gibt. Überdies hinaus dürften die Inhaltsstoffe nicht von gefährdeten Arten stammen oder sich negativ auf das jeweilige ökologische Gleichgewicht auswirken. Allerdings sind für diese Ausnahmen vorausgesetzt, dass die Inhaltsstoffe nicht Bestandteil des Tieres sein dürfen. Das heißt, dass zwar Rohstoffe wie Honig oder Milch unter Umständen zugelassen sind, Produkte wie Gelatine jedoch nicht. Zusätzlich darf die Gewinnung der tierischen Inhaltsstoffe nicht zu Stress, Schmerzen oder logischerweise dem Tod des Tieres führen.

Synthetische Rohstoffe dürfen nur zu einem Anteil von fünf Prozent mit verarbeitet werden. Dessen ungeachtet sind Inhaltsstoffe, die aus Rohöl oder Erdgas gewonnen wurden, nicht zulässig. Jedoch dürfen synthetische Inhaltsstoffe verwendet werden, die einen mineralischen Ursprung haben. Zumeist sind dies Konservierungsstoffe wie Benzylalkohol oder Benzoesäure.

Ecocert vergibt zwei Arten von Zertifikaten für Kosmetika:
  • Naturkosmetik
    mind. 50 Prozent pflanzliche Inhaltsstoffe; mind. 5 Prozent biologisch
  • Biokosmetik
    mind. 95 Prozent pflanzliche Inhaltsstoffe; mind. 10 Prozent biologisch

Für beide Zertifizierungen sind Nanopartikel und genetisch veränderte Inhalte nicht zugelassen.

Die Verpackungen der Kosmetika sind ebenso Bestandteil der Zertifizierung. Auch diese dürfen nicht Bestandteile von Tieren beinhalten. Zudem sind Materialien wie PVC verboten und gewisse Treibhausgase wie Propan dürfen ebenso wenig genutzt werden.

Ferner werden nicht nur die Produkte selbst unter die Lupe genommen. Auch die Produktion der Kosmetika muss bestimmte Kriterien erfüllen. So müssen alle genutzten Materialien zurück zu verfolgen sein oder Reinigungen der Anlagen nur mit Mitteln durchgeführt werden, die wiederum selbst von Ecocert geprüft wurden. Darüberhinaus verpflichtet sich ein zertifiziertes Unternehmen das eigene Emmissions-, Energie und Abfallmanagement zu verbessern.

Wasch- und Reinigungsmittel

Die Prinzipien von Ecocert an Wasch- und Reinigungsmittel lauten:

  • Schutz der Umwelt und ihre Ressourcen
  • Schutz der Verbraucher und Informationen für die selbigen
  • Reduktion von vermeidbaren Abfällen und Abwässern

Ebenso wie bei den Kosmetikartikeln unterscheidet Ecocert auch bei den Wasch- und Reinigungsmitteln zwischen synthetischen und natürlichen Inhaltsstoffen. Auch werden die natürlichen Rohstoffe wieder nach deren pflanzlichen, mineralischen, marinen oder tierischen Ursprung unterschieden. Für die pflanzlichen Stoffe gilt, dass deren Akkumulation oder Produktion nicht die Umwelt schädigen oder stören dürfen. Bezüglich der Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs gelten die gleichen Bestimmungen wie bei den Kosmetikartikeln.

Auch dürfen die Inhaltsstoffe nicht gentechnisch verändert werden. Darüberhinaus müssen Tenside, Duft- oder Farbstoffe eines natürlichen Ursprungs entstammen. Des Weiteren gelten für die Tenside weitere Regularien. Sie dürfen, sofern sie eine hohe Wassertoxidität haben nicht verwendet werden. Beispiele hierfür sind Seifen mit der Grundlage aus Nadelbaum- und Harzsäuren. Ferner müssen auch bei den Wasch- und Reinigungsmittel die Verpackungen die gleichen Voraussetzungen erfüllen, wie bei den Kosmetikartikeln.

Ecocert vergibt für Wasch- und Reinigungsmittel zwei verschiedene Siegel.
  • ECOCERT für ökologische Wasch- & Reinigungsmittel
    mind. 95 Prozent natürliche Inhaltsstoffe; kein Anteil von Bio-Rohstoffen definiert
  • ECOCERT für ökologische Wasch- & Reinigungsmittel hergestellt mit Biorohstoffen
    mind. 95 Prozent natürliche Inhaltsstoffe; 10 Prozent aus einem ökologischen Anbau

Zertifizierungsprozess

Der Entschluss eines Anbieters die eigenen Produkte oder eine Sparte zertifizieren zu lassen ist vollends freiwillig. Weiter ist die Vergabe der Zertifikate jeweils zeitlich begrenzt. Sie können natürlich verlängert werden, jedoch nur, wenn die Standards weiter eingehalten werden. Außerdem muss das jeweilige Zertifizierungskomitee selbst akkreditiert worden sein.

Die Überprüfung der Standards über ein Jahr erfolgt durch drei Stellen:

  • Ecocert Auditoren führen Inspektionen vor Ort durch und erstellen Berichte, die sie der Ecocert-Zentrale zusenden. Damit eine möglichst große Transparenz gewährleistet wird, beinhalten diese Berichte wie bereits beschrieben das gesamte Produktionssystem. Hierzu werden jährlich Überprüfungen durchgeführt. Teilweise sind diese stichprobenartig. Zusätzlich können Proben für Laboruntersuchungen entnommen werden.
  • Zertifizierungsbeauftragte untersuchen die Berichte und vergleichen diese mit den Anforderungen des jeweils gewünschten Siegels. Vorausgesetzt die Standards werden eingehalten, wird das Zertifikat ausgegeben. Dementgegen verhängt Ecocert Strafmaßnahmen oder andere Sanktionen, sollten die Standards nicht eingehalten werden.
  • Der Überwachungsausschuss für Zertifizierung ist ein unabhängiges, technisches Gremium, das für die ordnungsgemäße Anwendung der Zertifizierungsprozesse, die Abgabe von Stellungnahmen, die Überwachung von Änderungen der Standards und die Überprüfung von Beschwerden und Beschwerden zuständig ist. Es besteht aus Akteuren der Wertschöpfungskette, Verbrauchern und Experten. Des Weiteren steht es Regierungsvertretern offen.

Glaubwürdigkeit, Transparenz & Kritik

Ecocert bemüht sich um eine gewisse Transparenz. Beispielsweise sind die jeweiligen Anforderungen für die einzelnen Label von Ecocert online verfügbar und dokumentiert (Beispiel Reinigungsmittel). Darüberhinaus blieben größere Skandale in den Bereichen Kosmetik und Reinigungsmitteln bis jetzt aus. Allerdings war Ecocert in einem Etikettenschwindel zwischen 2008 und 2010 im Bereich der Textilindustrie verwickelt.

Fazit

Das Umweltlabel von Ecocert auf den Produkten hat eine gewisse Aussagekraft. Ähnlich dem Blauen Engel zeigt es Produkte auf, die gegenüber ähnlichen Branchenvertretern bessere Werte aufweisen kann. Insbesondere wenn man auf der Suche nach umweltverträglichen Produkten ist, kann dieses Siegel eine Hilfestellung sein. Über Sozialstandards sagt es allerdings wenig bei den Kosmetika oder Wasch- und Reinigungsmitteln aus. Jedoch kommt dies der Glaubwürdigkeit noch weiter zu Gute, da Ecocert hier keinerlei Anspruch erhebt, in diese Richtung eine Auskunft zu geben.

 

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