Distel mit Schmetterling

Die Distel als Alternative von Glyphosat?

In Zukunft könnte die Distel als Alternative von Glyphosat fungieren dabei helfen das Pestizid zu ersetzen. Der italienische Biokunststoffhersteller Novamont Entwickelte aus der Säure des ungeliebten Unkrauts ein Bio-Herbizid.

Distel gegen Glyphosat / David gegen Goliath

Die Chefin an der Spitze des vergleichsweise kleinen italienischen Unternehmens Novamont Catia Bastioli ist eine ausgebildete Chemikerin. Um genau zu sein ist sie eine ausgezeichnete Chemikerin. Bastioli gewann 2007 als erste Frau den Erfinderpreis der Europäischen Union für den kompostierbaren Kunststoff Mater-Bi. Der Kunststoff basiert auf Maisstärke und wird bereits in der Praxis eingesetzt. Bereits über 1000 Patente meldete das von ihr gegründete Unternehmen Novamont seit der Gründung 1989 an.

Mit der Entwicklung des neuen Bio-Herbizids könnte das Unternehmen vor einem weiteren Durchbruch stehen, schreibt die Sueddeutsche Zeitung (SZ). Mit Hilfe der Distel tritt Novamont gegen den Pestizid-Platzhirsch Monsato an, der vor der Übernahme durch Bayer steht. David gegen Goliath.

Allerdings steht Novamont nicht allein vor dieser Aufgabe. Gemeinsam mit der ENI-Tochter Versalis hat das Unternehmen ein Joint-Venture, das Gemeinschaftsunternehmen Matrìca gegründet. Auf Sardinien in Porto-Torres rüstete das Unternehmen einen alten Erdöl-Cracker in eine Bioraffinerie um. Nun werden dort diverse Zwischenprodukte hergestellt. Diese werden in der Produktion von Bio-Kunststoffen, -Schmierstoffen oder für Kosmetika und Reinigungsmittel verwendet.

Der Allrounder Distel

Die Distel liefert neben Öl auch Biomasse und teils Proteine, die als Tierfutterersatz dienen können. Darüber hinaus schützt die Pflanze auf Grund der tiefen Wurzeln vor Bodenerosionen und benötigt nur sehr wenig Wasser. Bei der Gewinnung des Öls entsteht Pelargonsäure. Zunächst wussten die Chemiker jedoch nichts mit dieser anzufangen. Diese Säure und die herbizide Wirkung ist bereits von der Geranie bekannt. Allerdings ließ sie sich nicht großflächig Einsetzen und war dadurch nicht im Ansatz ein Herausforderer von Glyphosat. Nun gelang Matrìca mit der Säure aus der Distel jedoch der Durchbruch. Sie entwickelten ein Bio-Herbizid für den Freilandeinsatz. Es wird nicht von der Pflanze aufgenommen und wirkt auch nicht systemisch, sondern verbrennt nur ihre Blätter.

Eignet sich nun die Distel als Alternative von Glyphosat?

Gegenüber der SZ antwortet Bastioli auf diese Frage: “Ich bin immer vorsichtig.” Das Mittel sei gut geeignet um Kartoffel- oder Hartweisenpflanzen zu trocknen. Besonders in Italien ist dies ein brisantes Thema. Ein neues Gesetz verpflichtete 2017 die Hersteller von Lebensmitteln zu einer Herkunftsbezeichnung. Aufgrund dessen lehnten sich insbesondere die Pastaproduzenten auf. Diese verwenden aus Kostengründen Hartweizen aus Kanada, möchten dies aber möglichst nicht auf den Verpackungen zugeben. Kurz vor der Ernte des Weizens wird dieser für die Trocknung noch einmal mit Glyphosat behandelt. Dies ist in Italien allerdings verboten. Den Pastaherstellern steht der Bauernverband gegenüber, die aus verständlichem Selbstzweck der Meinung sind, dass die Verbraucher ein Recht darauf hätten, zu wissen woher der Hartweizen für die Pasta stammt. Die italienische Agrarlobby ließ daraufhin acht italienische, bekannte Pasta-Marken untersuchen. Spuren von Glyphosat konnte man allen acht nachweisen.

Bisher wurde das Bio-Herbizid auf der Grundlage von Ergebnissen von zweijährigen Versuchen für die Einsätze auf Kartoffel-Äckern, im Obst- und Weinanbau, sowie auf öffentlichen Grünflächen in Italien, Frankreich und  Österreich zugelassen. Allerdings zeigt sich Bastoli mehr gegenüber der Ungewissheit als den langjährigen Zulassungsverfahren besorgt. Die Investitionen fallen dem Unternehmen solange schwer, bis Europa verlässliche Regeln für Glyphosat aufgestellt hat. Bereits die Pilotanlage auf Sardinien hat 200 Millionen Euro in Anspruch genommen.

2018, “das Jahr der Wende” für Novamont

Auf der Grundlage von zweijährigen Versuchsergebnissen hat Matrìca bisher eine Zulassung des Bio-Herbizids für den Einsatz auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich erhalten. Mehr als die langwierigen Genehmigungsverfahren macht Bastioli die Ungewissheit zu schaffen. “Solange Europa sich keine verlässlichen Regeln für den Umgang mit Glyphosat gibt, fallen Investitionen sehr schwer”. Die Pilotanlage in Porto Torres hat 200 Millionen Euro verschlungen. Trotz der aufgrund langsamer Entwicklungen bilanziellen Korrektur von Novamonts Beteiligung an Matrìca hat sich die Erwartung von Bastioli nicht getrübt. Sie ist der Meinung, dass 2018 “das Jahr der Wende” für Novamont sein wird.

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