GOTS: Global Organic Textile Standard

Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, steht für umfassende ökologische und soziale Kriterien. Das Siegel mit dem weißen Shirt auf grünem Untergrund ist ein Umweltlabel für Naturtextilien. Dabei wird die gesamte Produktion eines Textilproduktes untersucht und im besten Fall zertifiziert.

Allgemeines

Seit 2002 werden mit dem GOTS Textilien zertifiziert. Seitdem wurde es weiterentwickelt und die Kriterien anspruchsvoller. Dennoch wurde darauf geachtet, dass es auf den Massenmarkt anwendbar ist, um einen möglichst großen Einfluss auf den Sektor zu haben. Seit März 2017 wurde die Version 5.0 der Zertifizierung herausgegeben. Das GOTS hat das selbst auferlegte Ziel, Anforderungen für eine nachhaltige Herstellung von Textilien zu definieren. Es soll dem Konsumenten beim Einkauf eine gewisse Sicherheit geben nachhaltiger zu agieren. Und für Produzenten soll das GOTS eine Zertifizierung bieten, die auf “allen relevanten” Märkten anerkannt wird.

Kennzeichnungsstufen des GOTS

Ähnlich wie beispielsweise bei dem ECOCERT-Label gibt es auch beim GOTS zwei Kennzeichnungsstufen:

  • Kennzeichnungsstufe 1: “kbA/kbT” oder “organic”
    ≥ 95 Prozent kontrolliert biologisch erzeugte Fasern; der restliche Anteil kann konventionellem erzeugt sein oder bestimmte Chemiefasern enthalten
  • Kennzeichnungsstufe 2: „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern” bzw. „made with organic”
    Hier müssen mindestens 70 Prozent der Fasern biologisch hergestellt sein. 30 Prozent dürfen konventionell hergestellt sein. Allerdings sind Chemiefasern auf maximal 10 Prozent beschränkt. Ausnahmen für diese Regel gelten für Strümpfe, Leggins und Sportbekleidungen.

Die Abkürzungen kbA und kbT stehen jeweils für kontrolliert biologischer Anbau und kontrolliert biologische Tierhaltung.

Der Zertifizierungsprozess berücksischtigt nicht nur die reine Herstellung des Produkts oder der Rohstoffe. Auch die Händler, die die Produkte anbieten, müssen sich in gewisser Weise an den GOTS halten. Dabei müssen Hersteller und B2B-Händler (Business to Business; kein Vertrieb an Endverbraucher) sich selbst zertifizieren lassen, um mit dem Siegel zu werben. Anders bei Händlern für Endverbraucher. Hier besteht eine Freiwilligkeit für die Unternehmen, sich mit dem Standard zertifizieren zu lassen. Entschließt sich ein Händler gegen die Zertifizierung, muss es dafür sorgen, dass das dem jeweiligen Kunden klar ist, welche Produkte mit dem GOTS zertifiziert sind und welche nicht. Zusätzlich muss sowohl die GOTS-Lizenznummer, als auch die konkrete Zertifizierungsstelle von dem jeweiligen Produkt angegeben werden.

Ökologische Kriterien

Ausschließlich Textilprodukte mit einem Mindestanteil von 70 Prozent an biologisch erzeugten Naturfasern können GOTS zertifiziert werden. Jegliche chemische Zusätze, sollten sie in der Produktion eingesetzt werden, wie beispielsweise Farbstoffe oder ähnliche, müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Diese Kriterien sind sowohl unter Umwelt-, als auch unter toxikologischen Anforderungen festgelegt. Bearbeitet eine Betriebsstätte die Textilien mit einer Nassveredlung (engl.: wet-processing), so muss dieses eine “funktionelle” Abwasserkläranlage haben. Insgesamt ist der ökologische Anforderungskatalog des GOTS recht umfangreich. Neben den einleitend genannten Kriterien müssen Betriebe folgende erfüllen:

  • Produkte aus biologisch erzeugten Fasern und konventionellen Fasern müssen in allen Verarbeitungsstufen getrennt zu identifizieren sein
  • alle chemischen Zusätze müssen vor dem Einsatz bezüglich ihrer Toxizität und biologischen Abbaubarkeit, sowie Eliminierbarkeit geprüft werden (und erfüllt werden)
  • Problematische Zusätze sind verboten (beispielsweise toxische Schwermetalle, aromatische Lösungsmittel oder genetisch veränderte Organismen, sowie deren Enzyme)
  • Bleichmittel müssen sauerstoffbasierend sein, das heißt Chlorbleiche ist ausgeschlossen
  • sogenannte Ätzdruckverfahren, unter der Verwendung von aromatischen Lösungsmitteln, und Plastisol-Druckverfahren, die Phalate und/oder PVC verwenden sind verboten
  • ebenfalls verboten sind Azofarbstoffe, die karzinogene Aminverbindungen freisetzen
  • die bereits angesprochenen Nassveredlungsbetriebe müssen neben der Wasseraufbereitung inklusive der Klärschlammentsorgung auch vollständige Protokolle darüber, sowie die eingesetzten Chemikalien, den Energie- und Wasserverbrauch anfertigen. Die Wasseraufbereitungsanlage muss “zweckdienlich” sein
  • um Abwässer und Abfälle zu minimieren müssen teilnehmende Betriebe über ein eigenes Umweltschutzprogramm verfügen
  • synthetische Schlichtemittel sind beschränkt und Öle für Web- oder Stickmaschinen dürfen keine Schwermetalle enthalten
  • eingesetztes Verpackungsmaterial darf keinerlei PVC enthalten. Verpackungsmaterialien, die aus Pappe oder Papier bestehen müssen wie auch Hängeetiketten oder Banderolen, etc. müssen jeweils FSC oder PEFC zertifiziert oder recycelt sein
  • auch für Accessoires gelten Beschränkungen, beispielsweise sind PVC, Nickel oder Chrom ausgeschlossen

Soziale Kriterien

Desweiteren ist das Siegel des GOTS’ nicht nur eines für Umweltstandards. Über diese hinaus bewertet es zudem soziale Kriterien. Bei diesen orientiert sich das GOTS an den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Das bedeutet, dass Verarbeiter und Hersteller über ein soziales Managementsystem verfügen müssen. Dieses soll sicher stellen, dass die sozialen Kriterien eingehalten werden. Zu diesen zählen:

  • freie Wahl der Beschäftigung
  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen werden geachtet
  • sichere und hygienische Arbeitsbedingungen
  • ein klares Verbot von Kinderarbeit
  • Entrichtung eines Mindestlohns
  • keine übermäßige Arbeitszeit
  • keinerlei Diskriminierung
  • eine reguläre Beschäftigung
  • Verbot von groben Behandlungen (Zwangsarbeit)

Fazit

Das GOTS ist insbesondere für ökologische Standarts ein sehr guter Orientierungspunkt beim Einkaufen. Für soziale Kriterien zeigt es zumindest eine Erfüllung von gewissen Mindeststandards dem Konsumenten.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Sehr informativ! Danke

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